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Wärmepumpe Kostenvergleich Mai 2026

Wärmepumpe oder Gasheizung? Was sich über 10 Jahre wirklich rechnet

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026 Christian Pütter Christian Pütter, Energieelektroniker 15 Min. Lesezeit

Ich sitze gerade öfter am Küchentisch von Leuten, vor denen ein einziges Blatt liegt: das Wartungsprotokoll der Gasheizung, 18 oder 22 Jahre alt, und die Frage „Lohnt sich der Wechsel auf eine Wärmepumpe überhaupt noch — oder werfe ich da nur Geld raus?“. Die ehrliche Antwort ist nicht „ja, immer“. Sie ist „kommt drauf an“ — und genau diese Faktoren rechne ich dir hier als Energieelektroniker durch, ohne Förder-Euphorie und ohne Heizungsbauer-Verkaufston. Es geht um Anschaffung, laufende Energiekosten und den CO2-Preis über zehn Jahre — und am Ende um eine Entscheidung, die zu deinem Haus passt, nicht zu meiner Provision.

Schnell-Fazit: Was rechnet sich wirklich?

Wenn du nur 30 Sekunden hast: Über zehn Jahre fährt die Wärmepumpe im sanierten Einfamilienhaus in den allermeisten Fällen günstiger als eine neue Gasheizung — vor allem, weil sie aus 1 kWh Strom rund 3,4 kWh Wärme macht und sich vom steigenden CO2-Preis abkoppelt. Aber dieser Vorteil ist kein Naturgesetz: Er hängt an der Förderung, an deiner realen Jahresarbeitszahl (JAZ) und am CO2-Preispfad. Und ganz wichtig vorab — es gibt kein Gasheizungsverbot. Eine intakte Gasheizung darfst du weiterbetreiben und reparieren.

Mein Kurz-Urteil

Im gut gedämmten EFH mit Flächenheizung spart die Wärmepumpe über 10 Jahre nach meiner Modellrechnung grob ~11.000 € gegenüber einer neuen Gasheizung — das ist ein Modellwert für ein konkretes Szenario, kein garantierter Betrag. Entscheidend sind drei Stellschrauben: KfW-Förderung (drückt den Anschaffungs-Mehrpreis stark), deine reale JAZ (Dämmung + Heizflächen) und der CO2-Preis auf Gas. Bei schlechter Hülle oder erst 5 Jahre alter Gasheizung kann die Rechnung kippen — dann ist Abwarten ehrlicherweise oft die bessere Wahl. Ein Gasheizungsverbot existiert nicht; niemand zwingt dich heute zum Wechsel.

Gasheizung · 10 Jahre
~39.000 €
Anschaffung + Energie + CO2 + Wartung Modellwert, im Rechner anpassbar
Wärmepumpe · 10 Jahre
~28.000 €
Eigenanteil nach Förderung + Strom + Wartung Modellwert, im Rechner anpassbar
Vorteil Wärmepumpe
~11.000 €
Differenz über 10 Jahre, saniertes EFH Modellwert — kein garantierter Betrag

Referenz-Szenario: saniertes EFH, 130 m², Wärmebedarf ~18.000 kWh/Jahr. Alle Summen sind eine Modellrechnung und im interaktiven Rechner weiter unten anpassbar.

Wann Wärmepumpe, wann Gas behalten?

Deine Situation Meine ehrliche Empfehlung
Heizung >20 Jahre alt, Sanierung steht ohnehin an Wärmepumpe — jetzt der richtige Moment
Gut gedämmt, Fußbodenheizung / große Heizflächen Wärmepumpe klar — hohe JAZ, niedrige Stromkosten
Gasheizung erst ~5 Jahre alt, läuft einwandfrei Erstmal behalten (ehrlich!) — Wechsel später planen
Denkmalschutz / sehr schlechte Gebäudehülle Erst Hülle dämmen — Einzelfall genau rechnen
Hybrid denkbar (alte Heizkörper, Teil-Sanierung) Heizlast prüfen — ggf. Wärmepumpe + Spitzenlast

Die genaue Wirtschaftlichkeit hängt am Einzelfall. Wie deine Vollkosten konkret aussehen, rechne ich dir im Detail unter Wärmepumpe Kosten durch.

Der 10-Jahres-Rechner: Gas vs. Wärmepumpe

Genau das, was die meisten Vergleiche schuldig bleiben: ein nachvollziehbarer Rechner mit offengelegten Annahmen. Stell deine Eckdaten ein — du siehst sofort die Gesamtkosten beider Systeme über 10 Jahre (Anschaffung + Energie inkl. CO2-Pfad + Wartung) und ab welchem Jahr die Wärmepumpe vorn liegt.

Gebäude / Dämmung (bestimmt die JAZ)
Gasheizung · 10 Jahre
~39.000 €
Wärmepumpe · 10 Jahre
~28.000 €
Gas 39.000 €
Wärmepumpe 28.000 €
Die Wärmepumpe spart in diesem Szenario rund 11.000 € über 10 Jahre und liegt ab Jahr 2 vorn.

Unverbindliche Modellrechnung. Feste Annahmen: Gaspreis Start 11 ct/kWh (BDEW Mai 2026, CO2-Anteil enthalten), WP-Tarif Start 24 ct/kWh (Annahme), WP-Strom steigt 1,5 %/Jahr, Gas-Nutzungsgrad 95 %, §14a-Netzentgelt-Vorteil 150 €/Jahr (Spanne 110–190 €), Wartung Gas 190 €/Jahr (inkl. Schornsteinfeger) bzw. WP 200 €/Jahr, Grundpreise als marktüblicher Korridor angesetzt (anbieterabhängig, BDEW/Verivox). Anschaffung: Gas 12.000 € netto, WP 26.000 € brutto vor Förderung (max. 30.000 € förderfähig). Der CO2-Pfad ab 2028 ist ein Szenario, kein Fakt. Tatsächliche Kosten hängen vom Einzelfall ab.

Anschaffung im Vergleich

Der erste Schock kommt immer beim Angebotsvergleich: Eine neue Gas-Brennwerttherme ist in der Anschaffung schlicht günstiger als eine Wärmepumpe — das ist Fakt und das verschweige ich auch nicht. Eine Gas-Brennwertheizung inklusive Einbau liegt grob bei 9.000–15.000 € (in Einzelfällen bis 17.000 €). Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe komplett mit Installation kostet brutto eher 16.000–30.000 €, häufig um die 26.000 € — vor Förderung.

Der entscheidende Punkt ist genau dieses Wort „vor Förderung“. Denn die Gasheizung wird nicht gefördert, die Wärmepumpe schon — und zwar kräftig. Genau das dreht die Anschaffungsrechnung.

Posten Gas-Brennwert Luft-Wasser-WP
Gerät + Einbau (brutto) 9.000–15.000 € ~26.000 €
KfW-Förderung (BEG) 0 € (nicht förderfähig) − ~13.000–18.200 €
Netto-Invest (Annahme) ~12.000 € ~13.000–15.500 €

Förderbeträge als Beispiel/Annahme bei 50–70 % BEG-Quote auf max. 30.000 € förderfähige Kosten — die tatsächliche Quote hängt an Klimabonus und Einkommens-Bonus. Details zu Antrag und Boni unter KfW-Förderung.

Unterm Strich: Mit Förderung schrumpft der Anschaffungs-Mehrpreis der Wärmepumpe in vielen Fällen auf nur noch ~1.000–3.500 € gegenüber der neuen Gasheizung (Beispielwert, je nach Förderquote). Diese überschaubare Differenz holt die Wärmepumpe über die laufenden Energiekosten meist in wenigen Jahren wieder rein — dazu gleich die konkrete Rechnung.

Elektriker-Tipp: Lass dir das Wärmepumpen-Angebot immer als Gesamtpreis inklusive Zählerschrank-Check, Elektroanschluss und hydraulischem Abgleich geben — und beantrage die Förderung vor Vertragsunterschrift. Genau diese Umfeldmaßnahmen sind über die BEG mitförderfähig. Wer sie separat nach dem Förderantrag macht, verschenkt bares Geld.

Laufende Energiekosten: hier entscheidet sich alles

Die Anschaffung ist nur die halbe Wahrheit — über zehn Jahre summieren sich die Energiekosten zur eigentlichen Hauptlast. Und hier spielt die Wärmepumpe ihren physikalischen Trumpf aus: die Jahresarbeitszahl (JAZ). Sie sagt, wie viel Wärme die Anlage aus einer Kilowattstunde Strom macht. Eine reale JAZ von 3,4 (Durchschnitt aus dem Fraunhofer-ISE-Feldtest im Gebäudebestand, 77 Anlagen, PM 11/2025) heißt: Aus 1 kWh Strom werden 3,4 kWh Heizwärme. Die Gasheizung dagegen verbrennt für 1 kWh Wärme grob 1 kWh Gas — sie kann sich nicht „vervielfachen“.

Rechnen wir das fürs Referenz-EFH durch (Wärmebedarf 18.000 kWh/Jahr). Gas mit ~95 % Nutzungsgrad bedeutet ~18.950 kWh Gasbezug. Die Wärmepumpe braucht 18.000 ÷ 3,4 ≈ 5.300 kWh Strom pro Jahr:

Energiekosten im Jahr 1

Gas: 18.950 kWh × ~11 ct/kWh (BDEW, Mai 2026)~2.085 €
Gas-Grundpreis pro Jahr (marktüblich, anbieterabhängig)~100–150 €
Gas gesamt (ohne CO2-Aufschlag)~2.200 €
WP: 5.300 kWh × ~24 ct/kWh (Wärmepumpentarif, Annahme)~1.270 €
Wärmepumpe gesamt~1.270 €
Ersparnis Wärmepumpe pro Jahr~930 €

Der WP-Tarif (~20–26 ct/kWh, Verivox/Enter 2026) ist eine Annahme — mit Haushaltsstrom (~37 ct/kWh) würde die Rechnung schlechter, mit eigenem PV-Strom deutlich besser. Den passenden Tarif und den §14a-Vorteil erkläre ich unter Wärmepumpenstrom.

Mein Praxis-Rat: Der ganze Vorteil der Wärmepumpe steht und fällt mit der realen JAZ und dem richtigen Stromtarif. Ein separater Wärmepumpenzähler mit eigenem, günstigem Tarif plus das reduzierte Netzentgelt nach §14a EnWG (Spanne grob 110–190 € Ersparnis pro Jahr) macht den Unterschied zwischen „lohnt sich“ und „lohnt sich kaum“. Wer die Wärmepumpe einfach über den teuren Haushaltsstrom laufen lässt, verschenkt den halben Effizienzvorteil.

Der CO2-Preis-Hebel: warum Gas planbar teurer wird

Bis hierhin habe ich den CO2-Aufschlag bewusst rausgelassen — denn er ist der Faktor, der die Rechnung über zehn Jahre still zugunsten der Wärmepumpe verschiebt. Auf Gas liegt seit Jahren ein nationaler CO2-Preis. Für 2026 liegt der nEHS-Preis bei 55–65 €/t (DEHSt). Bei einem Emissionsfaktor von ~0,182 kg CO2 pro kWh Gas ergibt das einen Aufschlag von gerundet ~1,0–1,2 ct/kWh — bei unseren 18.950 kWh also grob 190–230 € pro Jahr zusätzlich auf die Gasrechnung. Die Wärmepumpe zahlt diesen Aufschlag nicht; sie verbrennt nichts.

Ab 2028: ETS-2 — ehrlich nur als Szenario

Ab 2028 soll der nationale Preis in den europäischen Emissionshandel ETS-2 überführt werden — der Start wurde von 2027 auf 2028 verschoben. Dann bildet sich der Preis marktbasiert, und genau hier wird es unseriös, mit harten Zahlen zu hantieren: Die Prognosen reichen von ~46 €/t bis zu 100–250 €/t — das ist eine enorme Spanne und ehrlicherweise nicht verlässlich vorhersagbar. Ich behandle das deshalb klar als Szenario, nicht als Fakt. Keine Panikmache — aber die Richtung ist eindeutig: nach oben.

Modell-Annahmen für den CO2-Pfad in der 10-Jahres-Rechnung (im Rechner anpassbar):

  • 2026: 55–65 €/t (DEHSt, verifiziert) → ~1,0–1,2 ct/kWh Aufschlag, gerundet
  • 2027: weiter nationaler Festpreis, leicht steigend — Szenario
  • ab 2028: ETS-2 marktbasiert, Korridor 46 bis 100–250 €/t — Szenario, hohe Unsicherheit

Die Kernbotschaft ohne Übertreibung: Der CO2-Preis macht Gas über zehn Jahre planbar teurer — wie stark genau, weiß heute niemand. Die Wärmepumpe entkoppelt dich von diesem Risiko vollständig. Das ist kein Argument für Hysterie, aber ein handfester Grund, warum mein 10-Jahres-Vergleich oben die Wärmepumpe vorne sieht. Welche Wärmepumpen-Modelle dafür in Frage kommen, findest du in der Wärmepumpen-Übersicht.

Gibt es 2026 ein „Gasheizungsverbot“? Die ehrliche Rechtslage

Kaum ein Thema ist so von Halbwissen vernebelt wie dieses. Also ganz klar und ohne Panik: Ein Gasheizungsverbot gibt es nicht. Deine vorhandene Gasheizung darfst du weiter betreiben, und wenn sie kaputtgeht, darfst du sie reparieren lassen. Niemand kommt und reißt dir die Therme aus dem Keller. Erst wenn eine Heizung irreparabel defekt ist und komplett getauscht werden muss, greifen die neuen Regeln — und selbst dann gibt es Übergangsfristen und Ausnahmen.

Die 65-%-Regel und die kommunale Wärmeplanung

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt vor, dass eine neu eingebaute Heizung zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden muss. Wann diese Pflicht beim Heizungstausch im Bestand greift, hängt an der kommunalen Wärmeplanung deiner Gemeinde:

  • Große Städte (über 100.000 Einwohner): Frist bis 30.06.2026
  • Kleinere Kommunen: Frist bis 30.06.2028

Solange deine Kommune keinen Wärmeplan vorgelegt hat, gilt die 65-%-Pflicht beim Heizungstausch noch nicht zwingend — du könntest theoretisch noch eine reine Gasheizung einbauen. Aber: Wer das tut, braucht eine verpflichtende Beratung und muss ab dem Stichtag den EE-Anteil nachweisen (etwa über Biomethan oder eine Hybridlösung). Quelle: GEG / Bundesministerium für Wohnen, BBSR-GEG-Portal.

Meine ehrliche Einordnung: Lass dich von der „Verbots“-Schlagzeile nicht treiben — aber lass dich auch nicht in eine neue Gasheizung reden, nur weil sie heute noch erlaubt ist. Die Rechnung machst du nicht für 2026, sondern für die nächsten 15–20 Jahre. Und in dieser Zeit wird Gas über den CO2-Preis planbar teurer. Eine neue Gasheizung ist keine verbotene, aber oft eine wirtschaftlich kurzsichtige Entscheidung.

Die Elektro-Seite, die kein Kostenvergleich erwähnt

Jetzt kommt der Teil, den ich in keinem der großen Vergleichsartikel sauber behandelt finde — weil die Autoren Heizungsbauer oder Journalisten sind, keine Elektrotechniker. Ich sehe das aus dem Schaltschrank, nicht aus dem Verkaufsprospekt. Und genau hier entscheidet sich oft, ob die Wärmepumpe am Ende günstig läuft oder nicht.

§14a EnWG: Dein versteckter Kostenvorteil — kein Nachteil

Seit dem 01.01.2024 muss jede Wärmepumpe mit mehr als 4,2 kW Anschlussleistung als steuerbare Verbrauchseinrichtung angemeldet werden. Viele hören das und denken „dann dimmt mir der Netzbetreiber die Heizung weg“. In der Praxis reichen die garantierten 4,2 kW für den Heizbetrieb fast immer aus — und im Gegenzug bekommst du reduziertes Netzentgelt. Genau das rechnet kaum ein Vergleich ein.

! Modul 1 ist eine pauschale Reduzierung von grob 110–190 € pro Jahr (netzbetreiberabhängig). Modul 2 reduziert den Arbeitspreis-Anteil des Netzentgelts um 60 % — das lohnt sich erst ab hohem Verbrauch und mit separatem Zähler. Welches Modul für dich rechnet, hängt am Verbrauch; die Details und Tarife stehen unter Wärmepumpenstrom und §14a.

Zählerschrank & TAB: der unterschätzte Posten

Sobald die Wärmepumpe als neuer Stromkreis dazukommt, schaut der Netzbetreiber auf deinen Zählerschrank. Ältere Schränke (vor ~1990) erfüllen die heutigen TAB (Technische Anschlussbedingungen, VDE-AR-N 4100) oft nicht mehr — es fehlt Platz für Steuerbox und Smart-Meter-Gateway, der Überspannungsschutz oder ein SLS-Schalter.

Ein Zählerschrank-Umbau kostet nach meiner Praxis-Erfahrung grob 500–2.000 € — das ist ein Erfahrungswert aus meiner Praxis, kein amtlicher Marktpreis, und kann im Einzelfall höher liegen. Die gute Nachricht: Als Umfeldmaßnahme ist das über die BEG mitförderfähig.

Hausanschluss-Leistung: reicht dein Anschluss?

Die Wärmepumpe hängt dreiphasig (400 V Drehstrom) mit eigener Absicherung am Netz, oft plus Heizstab (6–9 kW). Die gute Nachricht für die meisten: Ein normaler EFH-Hausanschluss mit 3×63 A reicht fast immer aus — auch mit Wärmepumpe. Nur bei sehr alten, unterdimensionierten Anschlüssen kann ein Upgrade nötig werden, das regelt der Netzbetreiber. Das lässt sich vorab in fünf Minuten klären, bevor es teuer wird.

Der Heizstab: heimlicher Effizienz-Killer

Fast jede Wärmepumpe hat einen elektrischen Heizstab als Reserve für sehr kalte Tage. Springt der zu oft an — etwa weil der Bivalenzpunkt schlecht eingestellt oder die Anlage zu klein dimensioniert ist — verbrennt er Strom mit Wirkungsgrad 1 statt der 3,4-fachen Wärme der Wärmepumpe. Das kippt die reale JAZ und damit genau die Stromkosten-Annahme aus meinem Rechner oben. Achte bei der Planung darauf, dass die Anlage richtig ausgelegt ist und der Heizstab die Ausnahme bleibt, nicht die Regel.

Die dritte Option: den Altbau mit Split-Klima heizen

Zwischen „Gasheizung behalten“ und „Luft-Wasser-Wärmepumpe einbauen“ gibt es eine dritte Variante, die in den meisten Vergleichen unter den Tisch fällt — und die ich als Elektrotechniker spannend finde, weil hier oft ein Denkfehler steckt: Ein Split-Klimagerät im Heizbetrieb ist bereits eine Wärmepumpe — genauer eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Sie zieht der Außenluft Wärme und bläst sie über das Innengerät direkt in den Raum, statt den Umweg über Wasser und Heizkörper zu gehen. Es ist die günstigste und am schnellsten installierte Wärmepumpen-Variante überhaupt.

Ein Praxisfall, den ich nicht erfunden habe

Der bekannte Energie-Experte Dr. Andreas Schmitz („Akkudoktor“) hat seinen Altbau von 1970 (rund 200 m², Effizienzklasse D, alte Ölheizung) genau so umgestellt: fünf kleine plus ein großes Split-Innengerät statt einer zentralen Wärmepumpe. Seine Hausnummer: rund 6.000 € für die komplette Heizlösung — gegenüber einem Fachbetrieb-Angebot von ~27.000 € für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive neuer Heizkörper. Das sind seine Erfahrungswerte für ein konkretes Haus, nicht unabhängig nachgerechnet, keine allgemeingültige Rechnung — aber die Größenordnung zeigt, warum die Variante für unsanierte Altbauten so reizvoll ist.

Was dafür spricht — ehrlich

+ Kein Heizkörpertausch, keine Fußbodenheizung. Genau das macht die Luft-Wasser-Wärmepumpe im Altbau teuer — hier fällt es komplett weg, weil das Innengerät selbst der „Heizkörper“ ist.

+ Günstig, schnell, flexibel. Bruchteil der Anschaffungskosten, Montage in Tagen statt Wochen, jeder Raum einzeln und punktgenau regelbar — und im Sommer kühlt dieselbe Anlage.

Wo ich ganz klar warne

! Kein Warmwasser. Eine Luft-Luft-Wärmepumpe macht ausschließlich Raumwärme. Warmwasser brauchst du separat — Durchlauferhitzer (teuer im Strom), eine Brauchwasser-Wärmepumpe oder die alte Heizung nur noch dafür. Genau diesen Posten rechnen viele schön.

! Effizienz im Altbau ehrlich einordnen. Die Datenblatt-SCOP-Werte von 4 bis 5 sind Bestwerte unter Laborbedingungen. Im unsanierten Altbau liegt die reale Jahresarbeitszahl erfahrungsgemäß eher bei 2 bis 3 — je kälter und schlechter gedämmt, desto weiter fällt sie. Gesetzlich vorgeschrieben ist seit 2014 ein Mindest-SCOP von 3,8 (3,42 bei besonders klimafreundlichem Kältemittel). Quelle: Öko-Design-Verordnung / Hersteller-Datenblätter.

! Komfort & Optik. Sichtbare Innengeräte an der Wand, spürbarer Luftzug und Geräusch auf hoher Stufe — das ist Geschmackssache, muss aber vorher klar sein.

Der Elektro-Blick: hier ist sie sogar unkompliziert

Aus dem Schaltschrank betrachtet ist die Luft-Luft-Variante genügsamer als eine große Luft-Wasser-Wärmepumpe: Kleine Split-Innengeräte hängen meist einphasig an einem normal abgesicherten Stromkreis, ein 3×63 A-Hausanschluss reicht praktisch immer, und einen stromhungrigen Heizstab gibt es nicht — den Effizienz-Killer aus dem vorigen Kapitel sparst du dir hier komplett. Ab 4,2 kW Gesamt-Anschlussleistung greift auch hier der bereits beschriebene §14a EnWG (steuerbare Verbrauchseinrichtung — mit dem reduzierten Netzentgelt als Vorteil).

Zwei Haken, die du kennen musst — sonst wird's teuer

1 Kältemittel ist kein Heimwerker-Thema. Wer am Kältemittelkreislauf arbeitet, braucht in Deutschland grundsätzlich einen Sachkundenachweis (Kategorie I nach F-Gase- bzw. Chemikalien-Klimaschutzverordnung). Vorbefüllte „Quick-Connect“-Geräte aus dem Online-Handel werben mit Selbstmontage — spätestens beim Nachfüllen, bei Leckagen oder der Wartung führt aber kein Weg an der Fachkraft vorbei. Mein klarer Rat: Strom- und Halterungsarbeiten gern selbst, den Kältekreis macht der Fachbetrieb.

2 Förderung: möglich, aber an Bedingungen geknüpft. Anders als oft behauptet können Luft-Luft-Wärmepumpen über die BEG-Heizungsförderung (KfW 458) bezuschusst werden — aber nur, wenn sie als vollwertiges Heizsystem die Effizienz-Anforderungen erfüllen und ein Fachbetrieb sie normgerecht installiert und per Fachunternehmer-Erklärung nachweist. In der günstigen eBay-Eigenbau-Variante fällt die Förderung praktisch weg. Du stellst also ehrlich gegeneinander: ~6.000 € ohne Förderung gegen Fachbetrieb-Montage mit Förderchance.

Mein Fazit zu dieser Option: Für einen unsanierten Altbau, in dem sich eine Luft-Wasser-Wärmepumpe wirtschaftlich (noch) nicht rechnet, ist die Split-Klima-Heizung eine ernstzunehmende Zwischenlösung — vorausgesetzt, du löst das Warmwasser sauber und gehst beim Kältemittel nicht ins Risiko. Ob bei dir überhaupt eine klassische Luft-Wasser-Wärmepumpe im Bestand funktioniert, klärst du am schnellsten mit dem 55-Grad-Test aus dem Altbau-Ratgeber. Was die laufenden Stromkosten am stärksten drückt, ist der richtige Tarif: mehr dazu unter Wärmepumpenstrom & §14a-Tarife.

Förderung kompakt: was den Wechsel attraktiv macht

Der größte Hebel gegen den Anschaffungs-Nachteil der Wärmepumpe ist die Förderung — die Gasheizung bekommt davon nichts. Hier nur das Wichtigste; den kompletten Antragsweg habe ich unter KfW-458-Förderung beschrieben.

KfW 458 — Heizungsförderung 2026

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) fördert den Wechsel auf die Wärmepumpe als Direktzuschuss. Die Bausteine addieren sich:

Baustein Prozentsatz Bedingung
Grundförderung 30 % Immer, bei anerkanntem Heizungstausch
Klimageschwindigkeitsbonus 20 % Austausch einer fossilen Heizung ≥ 20 Jahre alt
Einkommensbonus 30 % Zu versteuerndes Haushaltseinkommen ≤ 40.000 €/Jahr
Maximum kombiniert 70 % Gedeckelt; max. förderfähige Kosten 30.000 € (EFH)

Der Deckel liegt bei 30.000 € förderfähigen Kosten pro Wohneinheit — maximaler Zuschuss also 21.000 € bei 70 %. Eine neue Gasheizung ist nicht förderfähig. Antrag immer vor Auftragsvergabe stellen.

Drei Praxisfälle — und wann ich abrate

Damit du siehst, dass ich nicht pauschal „Wärmepumpe immer“ verkaufe — drei echte Konstellationen, wie sie mir am Küchentisch begegnen:

Fall 1: Saniertes EFH, Baujahr 2000, Fußbodenheizung

Gasheizung 19 Jahre alt, Fußbodenheizung, Fenster und Dach in Ordnung. Hier ist die Sache klar: niedrige Vorlauftemperatur, hohe JAZ zu erwarten, voller Klimageschwindigkeitsbonus, weil die alte Heizung über 20 geht (knapp). Meine Empfehlung: Wärmepumpe, ohne Zögern. Über 10 Jahre liegt sie hier deutlich vorn — ungefähr das Szenario aus meinem Rechner oben.

Fall 2: Unsanierter Altbau 70er, alte Heizkörper

Freistehendes Haus, Baujahr 1972, original Heizkörper, keine Außendämmung. Geht eine Wärmepumpe? Ja — aber hier sage ich ehrlich: erst Heizlast und Vorlauftemperatur prüfen (Stichwort 55-Grad-Test). Wenn einzelne Heizkörper zu klein sind, gehören die getauscht, bevor die Wärmepumpe wirtschaftlich läuft. Das ist machbar und meist günstiger als gedacht — die Details dazu stehen in der Vollkostenrechnung. Pauschal „lohnt sich nicht“ stimmt hier nicht, pauschal „einfach rein damit“ aber auch nicht.

Fall 3: Gasheizung erst 6 Jahre alt, läuft einwandfrei

Moderne Gas-Brennwerttherme, 6 Jahre alt, keine Störungen. Mein ehrlicher Rat: erstmal behalten. Eine funktionierende, noch nicht abgeschriebene Heizung jetzt rauszureißen, vernichtet Kapital — auch wenn die Wärmepumpe im Betrieb günstiger wäre. Plane den Wechsel für in einigen Jahren, häng aber schon mal eine PV-Anlage und einen guten Stromtarif dran. Den Zeitpunkt bestimmt hier die Restnutzungsdauer, nicht die Förder-Schlagzeile.

Dein Fall durchrechnen lassen — Angebote vergleichen

Du weißt jetzt, worauf es ankommt. Der ehrlichste nächste Schritt ist ein konkretes Angebot für dein Haus — mit Heizlast, Förderhöhe und realistischem Eigenanteil. Und ganz wichtig: vergleich mindestens 2–3 Angebote, gern auch von lokalen Heizungsbauern.

Enpal erstellt kostenlose Wärmepumpen-Angebote (Kauf oder Miete) und ist ein schneller Weg, eine erste belastbare Zahl zu bekommen. Das Mietmodell senkt den Eigenanteil, hat aber den Haken, dass dir das Gerät nicht sofort gehört — ob Miete oder Kauf rechnet, gehört individuell durchgerechnet.

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Hinweis: Enpal ist ein Affiliate-Partner. Du zahlst keinen Aufpreis. Ich empfehle ausdrücklich, mehrere Angebote zu vergleichen.

Fazit: Wann sich der Wechsel rechnet

Über zehn Jahre gerechnet fährt die Wärmepumpe im sanierten Einfamilienhaus mit halbwegs niedriger Vorlauftemperatur fast immer günstiger als eine neue Gasheizung — getrieben von der hohen JAZ, der KfW-Förderung und dem steigenden CO2-Preis auf Gas. In meinem Modellszenario sind das grob 11.000 € Vorteil, aber die Zahl steht und fällt mit deiner Förderquote, deiner realen JAZ und dem Stromtarif.

Ehrlich bleibe ich aber auch hier: Bei einer erst wenige Jahre alten, intakten Gasheizung oder einem sehr schlecht gedämmten Haus ohne Vorarbeiten ist Abwarten oder erst die Hülle anzugehen oft die klügere Wahl. Die Wärmepumpe ist die richtige Entscheidung für die meisten — aber nicht für jeden zu jedem Zeitpunkt. Rechne deinen Fall mit dem Rechner oben durch, hol zwei, drei Angebote ein, und entscheide dann mit Zahlen statt mit Schlagzeilen.

Häufige Fragen

Ist eine Wärmepumpe wirklich günstiger als eine Gasheizung?

Über die gesamte Lebensdauer von 10 bis 20 Jahren ja — in den meisten sanierten Einfamilienhäusern. In der Anschaffung ist die Gasheizung günstiger (9.000–15.000 € gegenüber 16.000–30.000 € brutto bei der Wärmepumpe), aber nach KfW-Förderung schrumpft dieser Abstand oft auf 1.000–3.500 €. Im Betrieb dreht sich das Bild: Die Wärmepumpe macht aus 1 kWh Strom rund 3,4 kWh Wärme und entkoppelt sich vom steigenden CO2-Preis. In meiner Modellrechnung für ein saniertes EFH spart sie über 10 Jahre rund 11.000 € — ein Modellwert, kein garantierter Betrag.

Ab wann lohnt sich der Wechsel von Gas auf Wärmepumpe?

Der Kipppunkt hängt vor allem an der Förderquote. Bei 50–70 % Förderung liegt die Wärmepumpe in meiner Modellrechnung schon nach 1–2 Jahren vorn, bei nur 30 % Grundförderung eher nach 4–6 Jahren. Sinnvoll ist der Wechsel besonders dann, wenn die alte Heizung ohnehin ersetzt werden muss oder über 20 Jahre alt ist — dann gibt es den vollen Klimageschwindigkeitsbonus. Bei einer erst wenige Jahre alten, intakten Gasheizung lohnt sich der sofortige Tausch dagegen meist nicht.

Gibt es 2026 oder 2027 ein Gasheizungsverbot?

Nein. Ein Gasheizungsverbot gibt es nicht. Bestehende Gasheizungen dürfen weiter betrieben und repariert werden. Beim kompletten Heizungstausch greift die 65-%-Erneuerbare-Pflicht aus dem Gebäudeenergiegesetz, und zwar gekoppelt an die kommunale Wärmeplanung: in Großstädten ab Mitte 2026, in kleineren Kommunen ab Mitte 2028. Eine reine neue Gasheizung ist bis dahin noch möglich, erfordert aber eine Pflichtberatung und ab Stichtag den Nachweis des Erneuerbaren-Anteils.

Was kostet die Umrüstung von Gas auf Wärmepumpe?

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Installation kostet 2026 brutto etwa 16.000–30.000 €, häufig um die 26.000 € vor Förderung. Dazu können Umfeldmaßnahmen kommen, etwa eine Zählerschrank-Ertüchtigung (Erfahrungswert 500–2.000 €) oder einzelne Heizkörpertausche im Altbau. Nach KfW-458-Förderung von bis zu 70 % bleibt oft ein Eigenanteil von rund 10.000–15.000 €. Die vollständige Aufschlüsselung findest du unter Wärmepumpe Kosten.

Lohnt sich die Wärmepumpe auch im Altbau mit alten Heizkörpern?

Oft ja, aber nicht blind. Der Fraunhofer-ISE-Feldtest zeigt auch im Gebäudebestand eine durchschnittliche Jahresarbeitszahl von 3,4. Entscheidend ist die nötige Vorlauftemperatur: Bleibt sie unter etwa 55 °C, läuft die Wärmepumpe effizient. Sind einzelne Heizkörper zu klein, sollten die vorher getauscht werden. Ein 55-Grad-Test an einem kalten Tag gibt schnell Aufschluss. Pauschal „geht nicht“ stimmt im Altbau also nicht — aber eine Heizlastprüfung vorab ist Pflicht.

Wie stark steigt der CO2-Preis auf Gas?

2026 liegt der nationale CO2-Preis bei 55–65 € pro Tonne (DEHSt), das entspricht gerundet etwa 1,0–1,2 ct pro kWh Gas. Ab 2028 soll der Preis in den europäischen Emissionshandel ETS-2 überführt werden und sich dann marktbasiert bilden. Die Prognosen reichen von rund 46 € bis 100–250 € pro Tonne — das ist eine sehr große Spanne und nicht verlässlich vorhersagbar. Sicher ist nur die Richtung: nach oben. Die Wärmepumpe ist von diesem Risiko nicht betroffen.

Brauche ich für die Wärmepumpe einen neuen Zählerschrank?

Manchmal. Sobald die Wärmepumpe als neuer Stromkreis dazukommt, müssen ältere Zählerschränke (vor etwa 1990) oft auf die aktuellen Technischen Anschlussbedingungen (VDE-AR-N 4100) gebracht werden — etwa für Platz für Steuerbox und Smart-Meter-Gateway oder einen SLS-Schalter. Nach meiner Praxis-Erfahrung kostet das grob 500–2.000 € (Erfahrungswert, kein amtlicher Preis). Als Elektrotechniker rate ich, den Schrank vor der Angebotseinholung prüfen zu lassen — der Posten ist über die BEG mitförderfähig.

Wie viel Förderung gibt es beim Wechsel von Gas auf Wärmepumpe?

Über die KfW-Heizungsförderung (Programm 458) gibt es 2026 bis zu 70 % Zuschuss: 30 % Grundförderung, 20 % Klimageschwindigkeitsbonus beim Austausch einer mindestens 20 Jahre alten fossilen Heizung und 30 % Einkommensbonus bei einem zu versteuernden Haushaltseinkommen bis 40.000 €. Die maximal förderfähigen Kosten liegen bei 30.000 € pro Wohneinheit, der maximale Zuschuss damit bei 21.000 €. Eine neue Gasheizung wird nicht gefördert.

Christian Pütter — Energieelektroniker und Gründer von Energiewende-Check
Quellenangaben
  1. BDEW — Gaspreisanalyse / Strompreise Haushalte (Stand Mai 2026)
  2. DEHSt (Deutsche Emissionshandelsstelle) — nationaler Emissionshandel (nEHS), CO2-Preis 2026 & Überführung ETS-2 (Stand 2026)
  3. Fraunhofer ISE — Wärmepumpen-Feldtest im Gebäudebestand, Jahresarbeitszahlen (Pressemitteilung 11/2025)
  4. KfW — Heizungsförderung für Privatpersonen, Programm 458, Merkblatt (Stand 2026)
  5. BMWSB / GEG & BBSR-GEG-Portal — Gebäudeenergiegesetz, 65-%-Pflicht, kommunale Wärmeplanung, Übergangsfristen (Stand 2026)
  6. Bundesnetzagentur — §14a EnWG, steuerbare Verbrauchseinrichtungen & reduziertes Netzentgelt (Stand 2026)
  7. Verbraucherzentrale — Kosten und Förderung Wärmepumpe, Beispiel-Kostenvergleich Erdgas/Wärmepumpe (Stand 2025/2026)