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Wärmepumpe Altbau-Sanierung Elektrotechniker-Wissen

Wärmepumpe im Altbau: Geht das wirklich? Der ehrliche Check vom Elektrotechniker

Zuletzt aktualisiert: Mai 2026 Christian Pütter Geprüft von: Christian Pütter, Energieelektroniker 13 Min. Lesezeit

Wärmepumpe im Altbau — die Frage, die mir meine Kunden am häufigsten stellen, klingt meist so: „Christian, ich hab ein Haus aus den 70ern, Heizkörper überall, keine Dämmung — verheize ich da nicht Unsummen?" Ich verstehe die Angst. Aber der Fraunhofer-Feldtest 2025 hat 77 Altbauten unter echten Bedingungen gemessen und dabei etwas herausgefunden, das die Pauschalmeinung vom „Wärmepumpe nur im Neubau" endgültig erledigt: Zwischen sanierten und unsanierten Altbauten gibt es keine nachweisbare Korrelation zwischen Baujahr und Effizienz. Was entscheidet, sind Vorlauftemperatur und Heizkörpergröße — und beides lässt sich prüfen und anpassen, bevor auch nur ein Euro investiert wird.

Schnell-Fazit: Taugt mein Altbau für eine Wärmepumpe?

Kurzantwort nach Gebäudetyp:

  • Altbau mit Fußbodenheizung (auch teilweise) → Ja, sofort. Niedrige Vorlauftemperatur, ideale Effizienz.
  • Altbau mit großen Heizkörpern (Typ 22/33), zuletzt auf < 60 °C gefahren → Ja, mit kurzem Check. 55-Grad-Test machen, ggf. 2–3 Heizkörper tauschen.
  • Altbau mit kleinen Nischen-Heizkörpern, Vorlauf historisch > 70 °C → Bedingt. Erst Heizkörper bewerten, R290-Hochtemperatur-WP prüfen, Kosten-Nutzen rechnen.
  • Schwer unsanierter Altbau, Heizkörper durchgängig zu klein → Erst Heizkörper tauschen, dann WP. Kein pauschales Nein, aber die Reihenfolge stimmt.

Der 1-Satz-Schnelltest: Dreh deinen Vorlauf auf 55 °C, alle Thermostate voll auf — wird das Haus an einem kalten Tag warm? Ja → deine Heizkörper reichen für eine Wärmepumpe.

Kernbotschaft: Heizkörper und Vorlauftemperatur entscheiden über die Eignung — nicht das Baujahr deines Hauses.

Ø 3,4 JAZ Luft-WP im Altbau (Fraunhofer ISE 2025, 77 Anlagen)
bis 75 °C Vorlauf R290-Hochtemperatur-WP (Bosch 6800i AW)
bis 70% KfW-458-Förderung (max. 21.000 € EFH)
25–30% weniger Strom pro 10 K niedrigere Vorlauftemperatur

Geht das überhaupt? Was der Fraunhofer-Feldtest wirklich zeigt

Fraunhofer ISE hat 2025 insgesamt 77 Einfamilien- bis Dreifamilienhäuser mit Wärmepumpen unter realen Bedingungen begleitet — sanierte und unsanierte Altbauten gemischt. Das Ergebnis ist eindeutig: Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten im Bestand eine mittlere JAZ von 3,4 (Spanne 2,6–4,9), Sole-/Erdwärmepumpen lagen bei 4,3 (3,6–5,4). Und das Entscheidende: Es gab keine nachweisbare Korrelation zwischen Baujahr des Hauses und der JAZ.

Das widerspricht direkt der Erzählung, die in vielen Ratgebern noch kursiert. Wer sagt „Wärmepumpe geht nur im Neubau oder nach Vollsanierung", hat entweder die Studie nicht gelesen oder verkauft etwas anderes. Zum Vergleich: Die Vorgängerstudie 2019 maß noch eine mittlere JAZ von 3,1 — die Effizienz der Geräte ist in wenigen Jahren spürbar gestiegen.

Was die Studie auch zeigt: Die Spanne von 2,6 bis 4,9 ist enorm. Die schlechten Werte kommen fast immer von zu hoch eingestellten Vorlauftemperaturen oder schlecht hydraulisch abgeglichenen Heizkreisen — beides behebbare Planungsfehler, keine Altbau-Schicksale. Welche Wärmepumpen-Modelle sich für den Altbau eignen, habe ich im Pillar-Artikel zusammengestellt.

Der 55-Grad-Test: So prüfst du dein Haus selbst — vor jedem Angebot

Bevor du einen Installateur bestellst oder ein Angebot einholst, mach diesen Test selbst. Er kostet nichts, dauert einen Abend und gibt dir mehr Sicherheit als jedes Verkaufsgespräch.

55-Grad-Test: Schritt für Schritt

1 Zeitpunkt wählen: Ein kalter Tag, Außentemperatur idealerweise unter 5 °C. Je kälter, desto aussagekräftiger.

2 Vorlauf begrenzen: Am Heizungsregler (oder Mischventil) die Vorlauftemperatur auf exakt 55 °C begrenzen. Nicht höher.

3 Alle Thermostate voll aufdrehen: Jeden Heizkörper im Haus auf Maximum. Wenn du weißt, dass ein Thermostat bewusst gedrosselt ist, lass ihn für den Test offen.

4 Abwarten: 2–3 Stunden Aufheizzeit einplanen. Dann Raumtemperatur messen: Werden die Haupträume 20–21 °C warm?

5 Auswerten: Ja → deine Heizkörper sind groß genug für eine Standard-Wärmepumpe. Nein → einzelne Räume identifizieren (meist 2–3 Heizkörper), die zu klein sind.

Dieser Test ist kein Hexenwerk — er ist dieselbe Faustregel, die Fachleute mit 50–55 °C als Trennlinie nutzen. Der Unterschied: Du weißt es vorher, nicht nach der Montage.

Vorlauftemperatur verstehen: Die Effizienz-Stellschraube, die wirklich zählt

Kein einzelner Faktor beeinflusst die laufenden Kosten einer Wärmepumpe stärker als die Vorlauftemperatur. Die Physik ist simpel: Je kleiner der Temperaturhub zwischen Außen und Vorlauf, desto effizienter arbeitet der Kältekreislauf.

Die belegte Faustregel: Pro 1 Kelvin niedrigere Vorlauftemperatur sinkt der Stromverbrauch um rund 2,5–3,0 %. Wer von 65 °C auf 55 °C kommt, spart also 25–30 % Strom — dauerhaft, jeden Winter. Das ist kein Prospektwert, sondern thermodynamische Realität.

Fußbodenheizung ist deswegen ideal (Vorlauf oft 35–45 °C) — aber sie ist keine Voraussetzung. Ein gut dimensionierter Heizkörper vom Typ 22 oder 33 in einem Altbau kann bei 55 °C Vorlauf genauso ausreichend Wärme abgeben wie ein Fußbodensystem. Entscheidend ist die Heizfläche, nicht die Heizart.

Heizkörper: Tauschen oder behalten?

Die ehrliche Antwort: Meistens behalten. Aber mit Augenmaß.

Der 55-Grad-Test zeigt dir genau, welche Räume problematisch sind. In meiner Erfahrung sind das in einem typischen Altbau aus den 70ern oft genau 2–3 Heizkörper — das Bad, ein Schlafzimmer mit kleinem Heizkörper, vielleicht der Flur. Nicht alle 12 Stück im Haus.

Kosten für einen Heizkörpertausch (Typ 22 auf Typ 33 oder größeres Modell): Material ca. 200–500 € pro Stück, Einbau ca. 400–700 € pro Heizkörper inklusive Montage. Ein erfahrener Heizungsbauer braucht pro Heizkörper etwa 1–1,5 Stunden. Für ein komplettes EFH läge der Maximalfall bei 4.000–12.000 €, aber das ist der extreme Ausreißer — wer wirklich alle Heizkörper tauschen muss, hat ein strukturelles Problem, das der 55-Grad-Test vorher gezeigt hätte.

Wann Tausch nötig ist: Wenn ein Raum bei 55 °C Vorlauf dauerhaft unter 20 °C bleibt und die Thermostatstellung keine Reserven mehr hat. Dann ist der Heizkörper rechnerisch zu klein — egal wie alt er ist.

Wann Tausch vorerst verzichtbar ist: Wenn das Haus eine R290-Hochtemperatur-WP bekommt und du bereit bist, anfangs etwas mehr Strom zu akzeptieren, bis sukzessive optimiert wird. Dazu gleich mehr.

R290-Hochtemperatur-Wärmepumpen: Die Brücke für schwierige Altbauten

Wer einen Altbau mit Heizkörpern hat, die historisch auf 65–70 °C Vorlauf angewiesen waren, hatte lange keine saubere Wärmepumpen-Option. Das hat sich geändert.

Aktuelle R290-Geräte der Hochtemperaturklasse liefern:

  • Bosch Compress 6800i AW: bis zu 75 °C Vorlauftemperatur, bei −10 °C Außentemperatur noch 65 °C ohne Heizstab-Zuschaltung.
  • Viessmann Vitocal 250-A: bis zu 70 °C Vorlauf (bis −10 °C Außentemperatur), Kältemittel R290/Propan, GWP von 0,02 — also praktisch klimaneutral im Kältemittel selbst.

Was das für Altbauten bedeutet: Ein Haus, das bisher 65 °C Vorlauf brauchte, kann heute direkt mit einer modernen WP versorgt werden — ohne Sofortumbau der Heizkörper. Die Effizienz bei 65–75 °C Vorlauf ist natürgemäß niedriger als bei 45 °C, aber der Wechsel von Gas/Öl auf eine WP spart trotzdem CO₂ und in den meisten Szenarien auch Betriebskosten.

Ehrlicher Kritikpunkt: Diese Geräte sind teurer in der Anschaffung als Standard-WP. Und wer langfristig auf maximale Effizienz zielt, kommt um Heizkörper-Optimierung nicht herum. Die Hochtemperatur-WP ist eine sinnvolle Brückentechnologie, kein Dauerzustand.

Ohne Dämmung — lohnt sich das wirklich?

Die häufigste Gegenfrage lautet: „Muss ich nicht erst die Hülle dämmen, bevor ich eine WP einbaue?" Die ehrliche Antwort ist differenziert.

Situation Empfehlung Begründung
Gut gedämmtes Dach, Fenster aus den 2000ern, keine Außendämmung WP jetzt Heizlast moderat, Vorlauf oft schon unter 60 °C, WP sofort sinnvoll
Teilsaniert (Dach neu, Keller gedämmt), Außenwände original WP jetzt, Heizkörper prüfen Fraunhofer-Daten bestätigen: Außenwand allein entscheidet nicht
Vollständig unsaniert, Baujahr vor 1970, sehr kleiner Heizkörper Erst Heizlastberechnung, dann entscheiden Hohe Heizlast → Heizkörper oft wirklich zu klein → 55-Grad-Test zeigt es
Unsanierter Altbau mit Hochtemperatur-Bedarf > 70 °C R290-Hochtemperatur-WP oder erst Heizkörper tauschen Technisch machbar, Effizienz niedriger, trotzdem besser als Öl/Gas

Dämmung senkt die Heizlast und damit die nötige Vorlauftemperatur — das ist richtig. Aber Dämmung ist kein Pflichtschritt vor einer WP. Sie ist eine unabhängige Investition, die du separat bewertest. Wer sein Dach sowieso neu eindecken muss, macht gleichzeitig Dämmung — wirtschaftlich sinnvoll. Wer extra 30.000 € in die Außendämmung steckt, nur damit die WP besser läuft, rechnet das oft nicht zurück.

Die Elektro-Seite, die alle anderen vergessen

Hier ist das, was kaum ein anderer Ratgeber auf dieser Tiefe behandelt — weil die meisten Autoren keine Elektrotechniker sind.

§14a EnWG: Deine Wärmepumpe als steuerbare Verbrauchseinrichtung

Seit dem 01.01.2024 gilt: Wärmepumpen und Heizstäbe mit mehr als 4,2 kW Anschlussleistung sind nach §14a EnWG steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Das bedeutet konkret: Dein Netzbetreiber darf im Netzengpass die Bezugsleistung deiner WP auf maximal 4,2 kW dimmen — für einen begrenzten Zeitraum. Die Wärmepumpe läuft dabei weiter, nur mit reduzierter Leistung. In der Praxis reichen 4,2 kW für den Heizbetrieb fast immer aus.

Im Gegenzug bekommst du ein reduziertes Netzentgelt — je nach Modul (1, 2 oder 3) unterschiedlich hoch. Details zu den konkreten Tarifen und dem reduzierten Netzentgelt findest du im Artikel zu Wärmepumpenstrom und §14a-Tarifen.

! Was du tun musst: Beim Netzbetreiber anmelden. Die Steuerbox baut der Installateur ein, der Netzbetreiber wird informiert — aber prüfe, ob die Anmeldung wirklich erfolgt ist. Fehlt sie, entfällt das günstigere Netzentgelt.

Zählerschrank: Der unterschätzte Kostenpunkt

Ein alter Zählerschrank (Baujahr vor 1990) erfüllt die heutigen TAB (Technische Anschlussbedingungen) des Netzbetreibers häufig nicht mehr. Was regelmäßig fehlt:

  • SLS-Schalter (Selektiver Leitungsschutzschalter) statt alter NH-Sicherung
  • Überspannungsschutz Typ 1+2 (oft nicht vorhanden)
  • Ausreichend Platz für Smart-Meter-Gateway und Steuerbox der WP

Ein Zählerschrank-Tausch kostet nach meiner Erfahrung grob 1.500–3.000 €, je nach Aufwand — das ist ein Erfahrungswert aus der Praxis, kein amtlicher Marktpreis. Wer diesen Punkt nicht auf dem Zettel hat, erlebt eine böse Überraschung beim Installateur-Angebot.

Heizstab-Absicherung: Drehstrom, eigene Leitung

Jede Wärmepumpe mit integriertem oder externem Heizstab (typisch 6–9 kW) braucht einen Drehstromanschluss (400 V) mit eigener Absicherung und eigener Zuleitung. Bei Altbauten mit alten Hausanschlüssen ist zu prüfen, ob die Hausanschluss-Leistung ausreicht. In Extremfällen — sehr alte, unterdimensionierte Hausanschlüsse — kann ein Hausanschluss-Upgrade nötig werden. Das regelt dein Netzbetreiber, nicht der Elektriker. Früh klären.

Stromverbrauch und laufende Kosten im Altbau

Konkrete Zahlen für laufende Kosten lassen sich nur mit Heizlastberechnung seriös benennen. Als Orientierungskorridor für ein typisches unsaniertes EFH aus den 70ern (Wohnfläche 130–150 m², Heizlast grob 10–15 kW): Bei JAZ 3,4 und einem Jahreswärmebedarf von ca. 20.000–25.000 kWh liegt der Stromverbrauch bei rund 6.000–7.400 kWh/Jahr. Das sind Annahmen auf Basis der Fraunhofer-Mittelwerte — dein individuelles Haus kann deutlich besser oder schlechter liegen. Diese Rechnung ist ein Planungskorridor, kein verbindlicher Wert.

Wer dynamische Stromtarife nutzt und die WP in günstige Stunden verschiebt, kann die laufenden Kosten spürbar senken. Tibber ist ein dynamischer Stromtarif, der stündlich nach Börsenpreis abrechnet — für WP-Betreiber besonders interessant, weil die WP nachts oder mittags bei PV-Überschuss günstig laufen kann.

Die vollständige Vollkostenrechnung (Anschaffung, Förderung, Betrieb) findest du im Detail unter Was eine Wärmepumpe wirklich kostet. Wie sich der Umstieg über 10 Jahre gegen eine neue Gasheizung rechnet, zeigt der 10-Jahres-Kostenvergleich Wärmepumpe vs. Gasheizung mit interaktivem Rechner.

Förderung: Bis zu 70 % — auch für Altbauten

KfW 458 — Heizungsförderung 2026

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) fördert den Wärmepumpentausch über KfW 458 mit Direktzuschuss — kein Kredit, keine Rückzahlung. Die Bausteine addieren sich:

Baustein Prozentsatz Bedingung
Grundförderung 30 % Immer, bei anerkanntem Heizungstausch
Klimageschwindigkeitsbonus 20 % Alte Heizung ≥ 20 Jahre alt; voller Satz noch 2026 verfügbar
Einkommensbonus 30 % Haushaltseinkommen ≤ 40.000 €/Jahr
Effizienzbonus 5 % Natürliches Kältemittel (z. B. R290/Propan)
Maximum kombiniert 70 % Grundförderung + alle Boni; max. förderfähige Kosten 30.000 €

Wichtig: Der Deckel liegt bei 30.000 € förderfähigen Kosten pro Wohneinheit (EFH). Maximaler Zuschuss also 21.000 € bei 70 %. Kosten darüber werden nicht gefördert.

Praxisbeispiel: Was bleibt nach Förderung?

Gesamtkosten Wärmepumpeninstallation inkl. Zählerschrank-Ertüchtigung und 2 Heizkörpertausch: 32.000 € brutto.

  • Förderfähige Kosten: 30.000 € (Deckel)
  • Nicht förderfähig: 2.000 € (über Deckel)
  • Förderquote: 70 % (Grundförderung + Klimageschwindigkeitsbonus + Einkommensbonus + Effizienzbonus)
  • Zuschuss: 30.000 € × 70 % = 21.000 €
  • Eigenanteil: 32.000 € − 21.000 € = 11.000 €

Vorbehalt: Die Förderung steht unter „Vorbehalt verfügbarer Haushaltsmittel". Antrag immer vor Auftragsvergabe stellen (nicht danach!). Alle Details zum Ablauf: KfW-458-Förderung Schritt für Schritt.

Deine Altbau-Eignung prüfen lassen — Angebote vergleichen

Du weißt jetzt, worauf es ankommt. Der nächste Schritt ist ein konkretes Angebot für dein Haus — mit Heizlastberechnung, Förderhöhe und realistischem Eigenanteil.

Enpal bietet Wärmepumpen sowohl im Kauf- als auch im Mietmodell an und erstellt Angebote für Altbauten. Das Mietmodell ist interessant, wenn du den Eigenanteil minimieren willst — hat aber einen Haken: Du zahlst langfristig, das Gerät gehört dir nicht sofort. Ob sich Miete oder Kauf rechnet, sollte individuell gerechnet werden.

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Hinweis: Enpal ist ein Affiliate-Partner. Du zahlst keinen Aufpreis. Ich empfehle, mindestens 2–3 Angebote zu vergleichen, auch von lokalen Heizungsbauern.

3 Praxisbeispiele aus dem Altbau

Objekt Ausgangslage Maßnahme Ergebnis / JAZ-Erwartung
Reihenhaus, Bj. 1974, leicht saniert
Gut
Dach gedämmt (2015), Fenster erneuert, Heizkörper Typ 22, Vorlauf zuletzt 60 °C 55-Grad-Test bestanden. 1 Heizkörper (Bad) durch Typ 33 ersetzt. Luft-WP Standard eingebaut. JAZ-Erwartung 3,5–4,0. Läuft stabil, kein Heizstab-Einsatz außer in Frostnächten unter −10 °C. Wurde gut.
Freistehendes EFH, Bj. 1962, unsaniert
Bedingt
Keine Dämmung, alte Heizkörper verschiedener Typen, Vorlauf historisch 72 °C. 55-Grad-Test: 2 Räume zu kalt. R290-Hochtemperatur-WP (Viessmann 250-A). 3 Heizkörper getauscht. Zählerschrank Bj. 2004 — kein Tausch nötig. JAZ-Erwartung 3,0–3,3 (höherer Vorlauf drückt Effizienz). War knapp rentabel — aber besser als Öl mit 1,20 €/Liter. Langfristig Heizkörper weiter optimieren.
MFH 6 WE, Bj. 1968, kaum saniert
Komplex
Zentralheizung für alle 6 Einheiten, Vorlauf 70 °C, gemischter Heizkörperbestand, alter Zählerschrank Zählerschrank-Tausch (Pflicht), R290-HT-WP plus Pufferspeicher 800 L, hydraulischer Abgleich aller Heizkreise. JAZ-Erwartung 3,1–3,5. Zählerschrank-Tausch war der unerwartete Kostenpunkt (+2.400 €). Förderantrag läuft. Komplexeste Variante, aber machbar.

Fazit: Wann Wärmepumpe im Altbau — und wann erst sanieren?

Wärmepumpe jetzt, wenn: Der 55-Grad-Test bestanden ist, die Heizung ≥ 20 Jahre alt ist (maximaler KfW-Bonus), und du die Förderung 2026 noch voll mitnehmen willst.

Erst 2–3 Heizkörper tauschen, dann WP, wenn: Der Test 1–3 Räume als problematisch zeigt. Überschaubare Investition, danach volle WP-Eignung.

R290-Hochtemperatur-WP, wenn: Vorlauf historisch 65–72 °C, sofortiger Umstieg gewünscht, Heizkörpertausch vorerst nicht möglich. Effizienz niedriger, aber immer noch besser als Öl/Gas.

Erst grundlegend sanieren, wenn: Das Haus hat eine Heizlast, bei der selbst Typ-33-Heizkörper überall zu klein wären — das ist die Ausnahme, nicht die Regel. Fraunhofer hat gezeigt: Die meisten Altbauten laufen mit WP.

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55-Grad-Test machen, Heizungsbauer mit Heizlastberechnung beauftragen, KfW-Antrag vor Auftrag stellen.

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Häufige Fragen zur Wärmepumpe im Altbau

Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau auch ohne Dämmung?

Ja — der Fraunhofer-Feldtest 2025 zeigt keine nachweisbare Korrelation zwischen Baujahr/Dämmzustand und JAZ. Entscheidend sind Vorlauftemperatur und Heizkörpergröße. Der 55-Grad-Test zeigt dir, ob deine Heizkörper ausreichen. Dämmung verbessert die Effizienz, ist aber keine Pflichtvoraussetzung.

Muss ich alle alten Heizkörper tauschen?

Fast nie alle. In den meisten Altbauten sind es 2–3 Heizkörper, die zu klein sind — der 55-Grad-Test zeigt genau welche. Der Rest reicht oft aus. Kosten pro Tausch: 400–700 € inkl. Montage. Wer eine Hochtemperatur-WP (R290) einbaut, kann auch ohne Soforttausch starten und sukzessive optimieren.

Lohnt sich eine Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus?

Ja, aber komplexer. Hydraulischer Abgleich für alle Einheiten ist Pflicht, der Zählerschrank muss TAB-konform sein, und ein Pufferspeicher ist fast immer sinnvoll. Die KfW-458-Förderung gilt pro Wohneinheit — ein MFH mit 6 WE kann also bis zu 6 × 21.000 € = 126.000 € Förderung erhalten. Eine Heizlastberechnung durch den Fachmann ist hier noch wichtiger als im EFH.

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe im unsanierten Altbau?

Bei einer mittleren JAZ von 3,4 (Fraunhofer-Mittelwert) und einem Jahreswärmebedarf von 20.000–25.000 kWh (typisches unsaniertes EFH 130–150 m²) liegt der Stromverbrauch bei rund 6.000–7.400 kWh/Jahr. Das ist ein Planungskorridor — der individuelle Wert hängt von Heizlast, Nutzerverhalten und Geräteauswahl ab.

Ist eine Wärmepumpe im Altbau laut?

Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen liegen je nach Modell bei 45–55 dB(A) in 1 m Abstand — vergleichbar mit einem laufenden Kühlschrank oder leisem Gespräch. Bei Aufstellung direkt am Schlafzimmerfenster oder an der Nachbargrenze ist der Standort mit Bedacht zu wählen. Sole-Erdwärmepumpen sind im Außenbereich unhörbar; der Kompressor sitzt innen.

Lohnt sich Erdwärme (Sole-WP) im Altbau?

Technisch: Ja, mit JAZ Ø 4,3 deutlich effizienter als Luft-WP. Aber: Tiefenbohrung oder Flächenkollektor brauchen Platz und Genehmigung (Bundesland-abhängig). Investitionskosten 20–40 % höher als Luft-WP. Für Altbauten mit großem Grundstück und langem Planungshorizont eine sehr gute Option — für stadtnahe Reihenhäuser oft nicht machbar.

Meine aktuelle Heizung läuft auf 72 °C Vorlauf — ist eine WP trotzdem möglich?

Ja. R290-Hochtemperatur-WP (z. B. Bosch 6800i AW, Viessmann Vitocal 250-A) liefern bis 75 °C Vorlauf, auch bei −10 °C Außentemperatur ohne Heizstab. Du kannst also ohne Heizkörpertausch starten. Die Effizienz ist bei hohem Vorlauf geringer als bei 45 °C, aber immer noch besser als Gas oder Öl. Parallel sukzessive Heizkörper optimieren, um die JAZ langfristig zu verbessern.

Muss ich den KfW-Antrag vor oder nach der Beauftragung stellen?

Immer vor Beauftragung des Handwerkers. Wer erst baut und dann den Antrag stellt, bekommt keine Förderung — das ist einer der häufigsten und teuersten Fehler. Ablauf: Energieberater (für BEG Pflicht), dann KfW-Antrag online, dann erst Auftrag an Heizungsbauer. Details: KfW-458-Förderung Schritt für Schritt.

Christian Pütter — Energieelektroniker und Gründer von Energiewende-Check

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Quellenangaben
  1. Fraunhofer ISE / Bundesverband Wärmepumpe (BWP): Feldtest „Wärmepumpen im Bestand" (2025) — JAZ-Realwerte EFH–3FH, saniert und unsaniert. waermepumpe.de
  2. KfW: Bundesförderung für effiziente Gebäude — Heizungsförderung für Privatpersonen (KfW 458), Förderbedingungen 2026. kfw.de
  3. Bosch Home Comfort: Propan-Wärmepumpe Compress 6800i AW — Vorlauftemperatur bis 75 °C, 65 °C bei −10 °C, R290. bosch-homecomfort.com
  4. Viessmann: Vitocal 250-A — Technische Daten, Vorlauf bis 70 °C, R290/Propan, GWP 0,02. viessmann.de
  5. Bundesnetzagentur: §14a EnWG — Steuerbare Verbrauchseinrichtungen, Regelung seit 01.01.2024. bundesnetzagentur.de